Eine Grossmacht im Hirtenhemd und Bürgerwams

Eine Grossmacht im Hirtenhemd und Bürgerwams

Es war um das Jahr 1500. Die Tagsatzung der Eidgenossen tagte. „Wer bezahlt uns besser?“, fragten die Abgeordneten der Eidgenossen. „Und die Renten? Der Anteil an den Plündereien?“ Gesandte europäischer Könige und Fürsten, Junker, italienische Herzöge und Städte buckelten vor den Eidgenossen. Alle wollten Krieger anwerben, stämmige, knorrige Männer aus den Tälern und Bergen, die steinharte Fäuste und einen wuchtigen Schlag mit der Hellebarde führten.

Vor kurzem hatten diese Eidgenossen dreimal das geharnischte Burgunderheer Karls des Kühnen über den Haufen geworfen. Das war ein Siegen! 1476 bei Grandson und bei Murten. Ein Jahr später bei Nancy. Und dann überraschte die Beute! Wie funkelten die Becher und Schüsselchen und die Golddukaten in den Händen der Bergler! Haarus! Das hatte sich gelohnt!
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Murten

1499 besiegten sie längs des Rheins in verschiedenen Schlachten die Aufgebote des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und des Schwäbischen Bundes. Zur gleichen Zeit säbelten sie dem französischen König den Weg nach Mailand frei, um das lockende Herzogtum in Oberitalien zu erobern.

Mochte vor kurzem noch der barfüssige Bruder Klaus im Ranft auch mahnen und bitten: „Mischt euch nicht in fremde Händel!“ Es kümmerte sie wenig. Sie waren gut, die Eidgenossen! Wenn sie in einer Nacht noch irgendwo in der Lombardei einen Weinkeller plünderten und austranken – am anderen Morgen marschierten sie in stählerner Disziplin auf den Feind los.

„Ja, was bezahlt ihr, Hohe Herren, für unser Blut?“

Von 1481 an waren die Eidgenossen der zehn Stände – ein winziges Völklein mitten in den Grossmächten – die Haudegen und Herren halb Europas. Macchiavelli, der florentinische Staatsschreiber, kritzelte seine Bewunderung in die Pergamente. Die Schweizer würden ganz Italien erobern und niemand könnte sie daran hindern.

Die königlichen Louis d’or und die päpstlichen soldi (Löhne, Zuschläge) lockten mehr als das Gemecker der Ziegen oder das Betteln und Sorgen von Frauen und Kindern zu Hause.